Förderverein Brandenburger Symphoniker
Förderverein Brandenburger Symphoniker

Die Brandenburger Biennale

 

Am Anfang der Brandenburger Biennale stand die Absicht des Fördervereins Brandenburger Symphoniker e.V. für die Brandenburger Symphoniker eine Komposition in Auftrag zu geben. Das geplante Großprojekt der (beinahe) lokalhistorischen Oper „Grete Minde“ mit einem Libretto von Thomas Höft und der Musik von Karl Heinz Wahren wurde aber nie realisiert.

Wohl hatten beide Auftragnehmer schon daran gearbeitet, es schuf aber das Ende der Intendanz Höft eine ganz neue Konstellation am Brandenburger Theater, die das Projekt hatte obsolet werden lassen.

Das Geld, welches der FBS e.V. dafür hätte aufwenden wollen, stand nun für andere Zwecke zur Verfügung. Ein wichtiger Aspekt der neuen Auftragsvergabe sollte sein, dass möglichst großräumig darüber gesprochen werde, oder gut Neudeutsch, möglichst viel Publicity!

Dieses Anliegen bewog unser Vorstandsmitglied, den früheren Solobratscher der

Brandenburger Symphoniker Christo Christow, einen Kompositionswettbewerb

ausschreiben zu lassen. Mit der bloßen Ausschreibung eines Wettbewerbs wird von Anfang an eine Publicity erreicht, die einzig noch von einer gezielten Auftragsvergabe an einen Komponisten von Weltruf egalisiert werden kann. Die Mittel des FBS e.V. waren denn aber doch nicht so üppig, dass wir für einen Auftrag Phil Glass oder John Adams hätten in Betracht ziehen können.

Worüber gleich Klarheit herrschte war, dass der Verein den Teilnehmern keinerlei Altersbeschränkungen auferlegen und dass er den Wettbewerb international ausschreiben wollte – dass es hingegen kein eigentlicher Kompositions- sondern ein Komponistenwettbewerb werden würde, war heiß umkämpft! Worin besteht denn der Unterschied? Bei einem  Kompositionswettbewerb wird den Komponisten abverlangt, dass

sie ein Werk explizit hinsichtlich dieses Wettbewerbs und zu exakt den vorgegebenen Konditionen (Orchestergröße, Besetzung) einreichen. Meist führt das Orchester, welches den Wettbewerb ausschreibt, die Werke, die es in die Endausscheidungsrunde schaffen auf, damit aufgrund der tatsächlichen Aufführung der Gewinner gekürt werden kann.

Auswahlprozedere und Uraufführung sind somit eins.

Die Jury der Brandenburger Biennale hingegen wählt aufgrund repräsentativer Werke einen Komponisten aus. Dieser eine Komponist bekommt dann den Auftrag, für die Brandenburger Symphoniker ein Werk zu schreiben. Der Vorteil für die Komponisten liegt darin, dass sie nicht für die Brandenburger Biennale in Vorleistung gehen müssen. Es gehen nicht unzählige Tonsetzer leer aus. Die Schwierigkeiten für den FBS und das Brandenburger Theater liegen bei diesem Prozedere allerdings darin, dass die Teilnehmerzahl recht groß ist,

viel Material katalogisiert werden muss, die Jury viel sichten und anhören muss und dass das zu guter Letzt abgelieferte symphonische Werk unvorsehbar ist.

Wie bei so vielen großen Vorhaben spielte auch hier die günstige Konstellation eine wichtige Rolle: die Brandenburger Symphoniker waren unter der künstlerischen Aufbauarbeit von Generalmusikdirektor Michael Helmrath zweifach als „Orchester des Jahres“ nominiert worden aufgrund ihres qualitativen Quantensprungs, mit Werken von Yusupov und Kancheli beispielsweise hatte GMD Helmrath dem hiesigen Publikum

bewiesen, dass er voll „ionischen Forschergeistes“ steckt – er also mit Leidenschaft musikalisches Neuland entdecken mag – und gleichzeitig, dass er diese neuen Partituren auch vorbildhaft umzusetzen versteht.

Dem Förderverein Brandenburger Symphoniker e.V. boten sich hier also an Neuem interessierte Interpreten an.

Ein Wettbewerb setzt aber auch ein Wettbewerbsbüro und ein Organisationsteam voraus:

von Anfang an stand fest, dass diese Leistung nicht würde bezahlt werden können, dass sie also in ehrenamtlicher Arbeit würde erbracht werden müssen. So verwandelt sich denn inzwischen alle zwei Jahre das Haus der Familie Güntsch in ein regelrechtes Postverteilzentrum, wo zur zweiten Biennale gar 286 Pakete eintrafen, Pakete, deren Inhalt anonymisiert und katalogisiert (der Verein muss ja einen Nachweis dafür haben, was eingetroffen ist) und schließlich zu Händen der Jury nach Kennzahlen sortiert vorbereitet werden muss. Seit der vierten Ausgabe des Wettbewerbs bekommen die Juroren gar sämtliche Tondokumente vorab anonymisiert (d.h. mit Zahlencode versehen) nachhause

geschickt.

Daneben ist trotz an sich eindeutiger Wettbewerbsbedingungen jede Menge Korrespondenz mit den Teilnehmern zu führen. Vermutlich durchaus in einer gewissen Unkenntnis darüber,  was den FBS an Aufwand da erwarten würde, ließ sich der Verein zuversichtlich auf das Wagnis ein.

Als Juroren der ersten Biennale fungierten neben den beiden ständigen Mitgliedern Generalmusikdirektor Michael Helmrath und Markus Rindt (Intendant der Dresdner Sinfoniker, Kulturmanager des Jahres 2008; in Brandenburg an der Havel wohnhaft) Christian Kneisel (nicht in seiner Eigenschaft als Intendant und Geschäftsführer sondern als Klarinettist und Komponist) und die beiden in Berlin ansässigen Komponisten Karl

Heinz Wahren und der inzwischen verstorbene Gerald Humel. Es war bisher wohl die Jury mit den größten Divergenzen, was die ästhetischen Vorstellungen der einzelnen Mitglieder betrifft.

Neben den beiden Preisträgern Chihchun Chi-Sun Lee (Taiwan/USA) und Moritz Eggert (D) für symphonische Werke wurde 2004 auch ein Kammermusikpreis verliehen, nämlich an Burton Goldstein (USA).

Zur Uraufführung im Dom war auch die damalige Kulturministerin des Landes

Brandenburg, Frau Dr. Johanna Wanka, zugegen. Ihr Ministerium gab folgende

Pressemeldung heraus: Pressemitteilung vom 23.09.2006 Nr. 122/06

Der Brandenburger Dom war am Samstagabend Schauplatz des Preisträgerkonzertes, mit dem der Internationale Komponistenwettbewerb „Brandenburger Biennale“ zu Ende ging.

Kulturministerin Prof. Dr. Johanna Wanka eröffnete den Konzertabend mit  einem Grußwort. „Mit beachtlichem Erfolg und weltweiter Aufmerksamkeit ist die 1.Brandenburger Biennale zu Ende gegangen. Der Komponistenwettbewerb, der vom Förderverein Brandenburger Symphoniker ausgeschrieben wurde, ist ein Projekt mit Erfolgsaussichten für die Zukunft“, so die Ministerin. „Im Ringen um kulturelle Identität an einem ehemaligen Industriestandort mit großen strukturellen Problemen hat der Förderverein Brandenburger Symphoniker mit kreativen Ideen auf Zukunft gesetzt. Die Brandenburger Biennale schöpft aus dem Reichtum musikalischer Ausdrucksformen internationaler zeitgenössischer Komponisten. Ihre Werke, die hier in Brandenburg an der Havel zur Uraufführung gelangen, werden wichtige Impulse für die Entwicklung und die

Rezeption zeitgenössischer Musik liefern“, so die Ministerin weiter. Zur Uraufführung gelangte die Komposition „Life of Dom“ von Chihchun Chi-sun Lee (Taiwan/USA), Preisträgerin des Komponistenwettbewerbes der 1. Brandenburger Biennale, durch die Brandenburger Symphoniker. Die Preisträgerin des mit 5.000 Euro dotierten Komponistenpreises war von der namhaften Jury aus 164 Einsendungen aus 4 Kontinenten ausgewählt worden.

Als grundsolider und treuer Partner des FBS e.V. erwies sich die GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte), stiftete sie doch das Preisgeld der ersten und nun bereits wieder der dritten Biennale. An dieser Stelle möchte ich ihr im Namen des gesamten Fördervereins Brandenburger Symphoniker e.V. herzlich

danken. Aus den Mitgliederbeiträgen ließe sich nämlich der  Komponistenwettbewerb nicht finanzieren, dazu reichen auch unsere rund 80 Mitglieder nicht!

In gleicher Weise zufrieden ist der FBS mit der Stadt Brandenburg an der Havel, haben die Stadtverordneten doch 2006 die Biennale in den Masterplan aufgenommen.  Damit wurde in einem kulturpolitischen Projektpapier dieser Wettbewerb zum kulturellen Bestand der Stadt erklärt.

Angesichts der unendlich vielen Bewerbungen zur zweiten Ausgabe hat der FBS die Jury (neben den beiden ständigen Mitgliedern die Komponisten Volker Hahn, Georg Katzer und Jörn Arnecke) davon entbunden, auch einen Kammermusikpreis zu vergeben.

Die Preisträger 2006 waren Ondrej Adámek (CZ) und Vittorio Zago (I). An die

Uraufführung von „dusty, rusty hush“ mit seiner orchestralen Nachzeichnung siderurgischen Produktionslärms und seiner lähmenden Stille nach dem Kollaps des Stahlkolosses erinnern Sie sich gewiss noch! Zagos „Segel“ wurde erst spät, nämlich zu Pfingsten 2009 uraufgeführt. Die Panne – nämlich dass ein Gastdirigent im Jahre 2008 zurückwies, das Werk aufzuführen – illustriert nur zu deutlich, was oben unter dem Stichwort der günstigen Konstellation gesagt wurde: der FBS hat sich immer auf Generalmusikdirektor Michael

Helmrath als Interpreten der Preisträgerstücke verlassen können! Es gehört halt eine besondere Portion Mut dazu, ein Stück aufzuführen, bei welchem es nicht bereits akustische Vorbilder gibt und das der Dirigent aus dem klanglichen Nichts einer bloß papierenen Partitur erschaffen muss!

In großem Bedauern darüber, dass wir 284 Einsendungen unbeachtet  zurückschicken mussten, kam der FBS-Vorstand auf die Idee, mit einer sogenannten  „Komponisten-Disco“ auch das Publikum ein Werk auswählen zu lassen, welches die  Symphoniker dann würden aufführen sollen. Im November 2006 fand diese „Disco“ erstmals statt. Da der FBS bei den Komponisten nach repräsentativen Werken ihres Schaffens nachsucht, liegen in den allermeisten Fällen auch Tonaufnahmen vor. Karl Heinz Wahren und Michael

Helmrath stellten einem (leider nicht sehr zahlreichen!) Publikum zehn Kompositionen vor und als Publikumspreisträger ging der junge belgisch Komponist Boudewijn Cox hervor, dessen „da una certa distanza“ in der Folge im Industriemuseum seine deutsche Erstaufführung erlebte.

Die größte Neuerung der vierten Biennale dürfte sein, dass bloß noch ein

Kompositionsauftrag ausgelöst wird. Darüber hinaus soll ein weiterer Komponist mit einem eingereichten Werk die Chance einer Wiederaufführung bekommen. Die Jury, die als primus inter pares, mit Giya Kancheli besetzt war, sprach die Auftragsvergabe Carsten Hennig aus Dresden zu. Eine Wiederaufführung ihrer Werke in Brandenburg an der Havel dürfen die beiden Komponisten Valery Voronov und Aleksandra Zabegaeva erleben.

Zur fünften Biennale ist es dem FBS endlich gelungen, eine Jurorin zu verpflichten, nämlich die niederländisch-deutsche Komponistin Iris ter Schiphorst. Vor allem Komponistinnen-Verbände griffen diese Tatsache mit Begeisterung auf und haben den Wettbewerb auf ihren Pages fleißig mitbeworben.

Inzwischen beginnen die Auftragskompositionen der Biennale bereits ihr „Eigenleben“ zu führen, den Namen der Brandenburger Biennale und der Brandenburger Symphoniker unabhängig von der direkten Präsenz des Klangkörpers in der Welt zu verbreiten. Für seine Orchesterwerke gewinnt Ondrej Adámek den Prix Hervé Dugardin 2009 der SACEM.

Am 12. September 2010 gewinnt unser Preisträger der dritten Biennale, Marko Nikodijevic, mit unserer Auftragskomposition „cvetic, kucica“ (Blümchen, Häuschen) die Gaudeamus Muziekweek 2010. In der Folge wird er vom Hamburger Verlagshaus Sikorski unter Vertrag genommen und die Ernst von Siemens-Musikstiftung gibt eine CD mit Werken Nikodijevics

heraus, auf welcher sich auch „cvetic, kucica“ findet. Am 17. September 2010 führt die Polnische Nationalphilharmonie Warschau unter Reinbert de Leeuw „dusty, rusty hush“ imRahmen des Festivals „Warschauer Herbst“ wieder auf. Es folgt am 26. September –ebenfalls in Warschau und ebenfalls unter de Leeuw – die Streicherfassung von „dusty, rusty hush“. Ondrej Adámek und Marko Nikodijevic sind mit ihren Biennalen-Kompositionen die beiden Hauptpreisträger des Tansman-Wettbewerbes (Lodz). Am 5. Dezember 2010

strahlte RAI/Radio3 die Brandenburger Uraufführung von Vittorio Zagos „Segel“ aus. Und am 25. September 2011 gelangte im Rahmen des 55. Festivals für Zeitgenössische Musik der Biennale von Venedig eine Neufassung (bloß doppelter nicht dreifacher Bläsersatz) von „Segel“ mit dem Mitteleuropa Orchestra unter Andrea Pestalozza zur Aufführun. Und schließlich dirigierte Peter Eötvös das Radio Symphonieorchester Wien u.a. mit „cvetic,

kucica“ von Nikodijevic zum „Steirischen Herbst“ am 8. Oktober 2011 in Graz. Ebenfalls an ein Verlagshaus zu vermitteln, nämlich an Boosey & Hawkes, gelang unserem Juror Markus Rindt den mexikanischen Teilnehmer Enrico Chapela. Chapela spielt inzwischen vor allem in den Vereinigten Staaten auf dem ganz großen Parkett! Am 20. Oktober 2012 führt im Rahmen des GAIDA-Festivals das Litauische Nationalorchester „dusty, rusty hush“ auf.

Zur zweiten Komponisten-Disko am Abend des 17.Februar 2011 präsentieren GMD Michael Helmrath und Komponist Boudewijn Cox dem Publikum anhand von CDs ausgewählte Werke aus den Einsendungen zum vierten Wettbewerb und die Zuhörer entscheiden sich dafür, dass „the linearity of light“ des kanadischen Komponisten Jeffrey Ryan von den Brandenburger Symphonikern live aufgeführt werden solle.

Ziel des FBS war immer schon, auch im Spielplan der Brandenburger Symphoniker der Biennale und ihren Komponisten einen wichtigen Platz eingeräumt zu wissen. Diesem Vorhaben kommt der FBS mit dem workshop/Symposium vom 11./13. Oktober 2013 einen

großen Schritt näher: zum einen werden drei Preisträgerwerke in einem Konzert aufgeführt werden, der Publikumspreis der 4. Brandenburger Biennale, Jeffrey Ryans „the linearity of light“ und die beiden Preise der 5. Biennale, das Auftragswerk von Ying Wang aus Shanghai/Köln und „exabrupto“ von Javier Torres Maldonado Mexico/Italien. Zum anderen werden sich die Komponisten aber auch im Gespräch erleben lassen. Das wird unser Publikum sicher in eine nie gekannte Nähe zum kompositorischen Schaffensprozess

bringen. Darüber hinaus sind wir dem Brandenburger Theater zu Dank verpflichtet, dass es mit dem Konzert „Biennale revival“ vom 17. Mai 2014 unser Anliegen aufgegriffen und eine neue Komposition, das Klavierkonzert, unseres Publikumspreisträgers Boudewijn Cox zu Gehör gebracht hat.

In Zukunft wird der Preisgewinn der Biennale oder aber die Jurorschaft anlässlich der Brandenburger Biennale noch attraktiver werden, vergeben wir doch unter Preisträgern und Juroren eine Komponistenresidenz! Vittorio Zago ist der erste composer in residence in der Geschichte der Brandenburger Symphoniker.

Es gelangt am 30. November 2014 am Brandenburger Theater sein Saxophonquartett zu Ehren von Adolphe Sax’ 200. Geburtstag zur Aufführung. Der Komponist hat vor, auf der Bühne das Instrument spielerisch zusammenbauen zu lassen, vom Mundstück bis zum zweifach geblasenen Instrument, sodass vier Spieler zu guter letzt ein Oktett blasen.

Ebenfalls im Rahmen von Zagos Residenz spielt der Konzertmeister der Brandenburger Symphoniker Andreas Preißer am 5. Oktober 2014 die deutsche Erstaufführung der studi per violino solo. Er tritt da in prominente Fußstapfen, hat doch Irvine Arditti die studi in Italien zum erstenmal erklingen lassen.

Auf dem Spielplan der kommenden Spielzeit des Brandenburger Theaters stehen ebenfalls bereits fest die drei Termine mit dem zu komponierenden viola d’amore-Konzert von Stefan Lienenkämper: 7., 8. und 9. Mai 2015.

In den Kinderschuhen hingegen steckt ein Projekt der Umsetzung studentischer

Kompositionen durch die Brandenburger Symphoniker in Zusammenarbeit mit der Universität Parma, eine Art internationaler Orchesterwerkstatt. Dieser Kontakt hat sich über unseren Preisträger Javier Torres Maldonado ergeben.

 

Geraldo Brandigi

Stand 7. Juni 2014

 

 

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